Status der deutschen Recycling- und Abfallwirtschaft

Jährlich werden in Deutschland rund 400 Millionen Tonnen Abfälle gesammelt, transportiert, sortiert, aufbereitet, stofflich oder energetisch verwertet und beseitigt. Im Fokus der Kreislaufwirtschaft und des öffentlichen Interesses stehen aber in erster Linie die rund 58 Millionen Tonnen Abfälle, die insbesondere dem Bereich Industrie und Gewerbe entstammen, sowie die 52 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle, wovon rund 37 Millionen Tonnen in privaten Haushalten erzeugt werden. Zu den Aufgaben der Unternehmen der Kreislaufwirtschaft gehört es, in erster Linie die stofflichen Potenziale der Abfälle zu nutzen, indem sie die enthaltenen Wertstoffe wieder für die Herstellung neuer Produkte zur Verfügung stellen und damit die Kreisläufe schließen. Diese Aufgaben übernehmen in Deutschland insgesamt rund 15.800 Sortier-, Zerlege-, Demontage-, Schredder- und Aufbereitungsanlagen sowie mechanisch-biologische Behandlungsanlagen, thermische Behandlungslagen und Deponien.

Die Kreislaufwirtschaft ist eine sehr differenzierte Branche, deren wirtschaftliche Bedeutung seit Jahren stetig zunimmt. Die Aktivitäten der Branche gehen dabei weit über die klassischen Entsorgungsleistungen hinaus. Die zunehmend spezialisierte Arbeitsteilung, die kontinuierlich steigenden Standards für die Kreislaufführung von Rohstoffen und die dafür notwendige Entwicklung von Technologien liefern die Basis für eine dynamische Entwicklung der gesamten Branche. Neben den Kernbestandteilen Abfallsammlung, -behandlung und Recycling berücksichtigt ein umfassendes Verständnis der Wertschöpfung in der Kreislaufwirtschaft auch die Vorleistungen des Maschinen- und Anlagenbaus sowie die begleitenden Handelsaktivitäten. Aktuell erzielt die Kreislaufwirtschaft in Deutschland einen Umsatz von etwa 76 Milliarden Euro (+ 1,1 % p. a.) und beschäftigt über 290.000 Erwerbstätige (+ 0,8 % p. a.). In der Kreislaufwirtschaft sind bundesweit heute genauso viele Personen beschäftigt wie in der Energiewirtschaft und fast viermal so viele Personen wie in der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Die Branche ist so, mit einer Bruttowertschöpfung von rund 21,5 Milliarden Euro (+ 3,4 % p. a.), zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor geworden.

Quelle: Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft BDE-BDSV-bvse-ITAD-PlasticEurope Deutschland e.V.-VDM-VDMA-VHI-VKU 2018

Die Kreislaufwirtschaft umfasst heute weit mehr als nur das Sammeln, Transportieren und Entsorgen von Abfällen. Analysen verdeutlichen, welche wirtschaftliche Bedeutung auch die vor- und nachgelagerten Teilmärkte wie der Teilmarkt „Technik“ oder „Handel“ für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft haben. Von den rund 10.800 Unternehmen entfallen ca. 6.000 Betriebe auf die klassischen Marktsegmente „Abfallsammlung, -transport und Straßenreinigung“ sowie „Abfallbehandlung und -verwertung“. Knapp 1.300 Unternehmen zählt das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“, weitere 3.500 Unternehmen sorgen mit dem „Großhandel mit Altmaterialien“ für den wichtigen Kreislauf der erfassten und recycelten Wertstoffe aus der Abfallwirtschaft.

Quelle: Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft BDE-BDSV-bvse-ITAD-PlasticEurope Deutschland e.V.-VDM-VDMA-VHI-VKU 2018

Das ökonomisch dynamische Segment der Kreislaufwirtschaft ist die Grundlage intelligenter Lösungen in der Ressourcenproblematik. Deutschland ist auch in diesem technologieorientierten Bereich in einer internationalen Spitzenposition. Die Leistungsfähigkeit der Abfallwirtschaft begründet sich  auch in ihrer hohen Investitionsbereitschaft. Zwischen dem Jahr 2000 und 2013 wurden über 100 Mrd. € in die Anlagentechnik investiert (Bruttoanlageninvestitionen des statistischen Bundesamts). Im Marktsegment Technik für die Abfallwirtschaft wurde in Deutschland im Jahr 2014 ein Umsatzvolumen von 10,85 Mrd. € erzeugt. In der Entwicklung von 2010 auf 2014 ist ein Plus von 3,9 % p.a.festzustellen. Die absolute Steigerung beträgt dabei mehr als 1,5 Mrd. €. Als Teilbereich entwickelt sich die Fahrzeugtechnik mit einem Plus von 2,6 % p.a. besser als die Kreislaufwirtschaft insgesamt. Die Erwerbstätigenentwicklung in der Abfalltechnik zeigt eine moderate Steigerung von jährlich 0,7 %. Insgesamt sind es jedoch über 52.000  Erwerbstätige, die sich mit der Herstellung technischer Geräte und Produkte in der Abfall- und Ressourcenwirtschaft beschäftigen. Dominiert wird das Segment wie bei den ökonomischen Indikatoren von der Anlagentechnik (knapp 38.000 Erwerbstätige).

Quelle: Branchenbild der deutschen Kreislaufwirtschaft BDE-ITAD-VDMA 2016

In Hinblick auf eine sich verändernden gesellschaftliche Werthaltung und Abfallgesetzgebung, werden seit den 90er Jahren immer wieder neuen Qualitätsziele gesetzt. In Bezug dessen wurden in Deutschland schon frühzeitig technologische Innovationen geführt, die heute die tragfähige Basis für den Export bilden. Beispielhaft für die beschriebene Entwicklung ist der Teilmarkt „Technik für die Abfallwirtschaft“ mit allein 4,2 Milliarden Euro Exportvolumen. Die wichtigsten Zielmärkte in diesem Bereich sind die Vereinigten Staaten, China und Frankreich. Sekundärrohstoffe wie Metalle oder Kunststoffe hingegen gehen in erster Linie nach Belgien, in die Niederlande oder nach Südostasien. Die Kreislaufwirtschaft ist zudem als Teil der übergeordneten Querschnittsbranche „Umweltwirtschaft“ anzusehen und umfasst alle Unternehmen, die umweltschützende bzw. umweltfreundliche und ressourceneffiziente Produkte und Dienstleistungen anbieten. Neben der Kreislaufwirtschaft zählen hierzu insbesondere auch die Landwirtschaft, die Wasserwirtschaft, umweltfreundliche Energien und Energieeffizienz oder auch die umweltfreundliche Mobilität. In diesem Kontext leistet die Kreislaufwirtschaft einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen, zur Reduzierung von Schadstoffen und zum intelligenten Umgang mit knapper werdenden Ressourcen.

In Bezug auf NRW

Mit einem Umsatz von 3,2 Mrd. € in 2014 nimmt Nordrhein-Westfalen den Spitzenplatz auf dem deutschen Markt ein. Die  Anlagentechnik  ist  auch  im  Bereich der Kreislaufwirtschaft eine der herausragenden Stärken Deutschlands. Zukunftsaufgabe ist es, diese Produkte vor dem  Hintergrund der globalen Herausforderungen und des weltweiten Bedarfs in internationalen Märkten zu positionieren. Hier liegen enorme Potenziale, die weit über den heimischen Markt hinausgehen.

Die Abfall- und Recyclingunternehmen sowie die zugehörigen Anlagenhersteller bilden den Schwerpunkt des wichtigsten Teilmarktes der Umweltwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Nachhaltige Initiativen, die in dieser Branche ihren Ursprung haben, sind daher sowohl ökonomisch wie auch ökologisch von großer Bedeutung.

Ein detailliertes Branchenbild der deutschen Kreislaufwirtschaft (Quelle: BDE-ITAD-VDMA 2016) über die Struktur und die Leistungen der Entsorgungsbranche in NRW finden Sie >>hier>>

Weitere informative Zahlen und Fakten finden Sie auch im Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft (Quelle: BDE-BDSV-bvse-ITAD-PlasticEurope Deutschland e.V.-VDM-VDMA-VHI-VKU 2018) siehe >>hier>>